Montag, 22. Oktober 2012

Rechnungshof fordert Bestandsaufnahme der deutschen Goldreserven

Hier ein Artikel aus der FAZ Online vom 22.10.2012, der hier vollstaendig wiedergegeben wird.

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Rechnungshof fordert Bestandsaufnahme Politiker dürfen Goldreserven nicht sehen

 
22.10.2012 ·  Fast 3400 Tonnen Gold besitzt die Deutsche Bundesbank. Der Großteil davon lagert in New York, London und Paris. Die CDU-Bundestagsabgeordneten Philipp Mißfelder und Marco Wanderwitz wollten nun einmal die Bestände in Augenschein nehmen. Und erhielten prompt eine Absage. 

Einige Goldbarren lagern auch in Frankfurt: Das undatierte Bild zeigt eine Mitarbeiterin der Deutschen Bundesbank in einem Tresorraum
Der Goldschatz der Deutschen Bundesbank, der im Ausland liegt, bleibt weiter ein gut gehütetes Geheimnis. Auch Politiker dürfen ihn nicht sehen. Die CDU-Abgeordneten Philipp Mißfelder und Marco Wanderwitz hatten sich an die Bundesbank gewandt, um die Goldbestände in London und in Paris in Augenschein zu nehmen. Sie erhielten nun von Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele einen abschlägigen Bescheid: „Leider müssen wir Ihnen nach Rücksprache mit den beiden Notenbanken mitteilen, dass die Bank of England und die Banque de France Besuchern keinen Zutritt zu ihren Tresoren gewähren.“ Die Zentralbanken hätten keine „Sonderbereiche für Besucher“.
Allerdings hatte der französische Notenbank-Chef Christian Noyer im Interview mit der F.A.Z. erst kürzlich versichert: „Unsere Kunden (die Gold bei der Banque de France hinterlegt haben) können sich das ansehen, wann immer sie wollen.“
Das gilt offenbar nicht für deutsche Volksvertreter. Mißfelder nannte die Absage „befremdlich“. Die Geheimniskrämerei stimme ihn misstrauisch.

Mehr als die Hälfte der Goldreserve soll in Manhattan liegen

Hintergrund des Streits ist die Kritik des Rechnungshofes an der intransparenten Lagerung des Goldes im Ausland. Der überwiegende Teil der deutschen Goldreserven von 3396 Tonnen im Wert von gegenwärtig mehr als 130 Milliarden Euro liegt in New York, London und Paris.

Es gibt Schätzungen, wonach mehr als die Hälfe bei der New Yorker Federal Reserve an der Südspitze von Manhattan und kleine Teile in London und Paris sein sollen. Etwa 30 Prozent sollen in Bundesbank-Tresoren in Frankfurt und Mainz liegen. Die Bundesbank äußert sich nicht dazu. Ihre Diskretion hat zu vielerlei Spekulationen und Gerüchten geführt. „Warum wird darum so ein Staatsgeheimnis gemacht?“, sagte Mißfelder der F.A.Z

Bundesbank will keine Inventarisierung

Der Rechnungshof mahnt in einem aktuellen Bericht mehr Kontrolle der im Ausland befindlichen Goldreserven an. Die Bundesbank solle „die Goldbestände in regelmäßigen Zeitabständen mittels geeigneter Stichproben körperlich aufnehmen“. Die Frankfurter Währungshüter hingegen wollen keine Inventarisierung machen. Thiele verweist in einem Brief an Rechnungshof-Präsident Dieter Engels auf die „allerhöchste Reputation und Bonität“ der Partnernotenbanken.
Der Haushaltsausschuss wird sich an diesem Donnerstag mit dem Thema befassen. Insbesondere der CSU-Abgeordnete Herbert Frankenhauser setzt sich für mehr Transparenz ein.

Frankreich hat 1966 sein Gold mit U-Booten aus New York abgeholt

In Frankfurt liegen nach Bundesbank-Angaben gegenüber dem Rechnungshof derzeit 82857 Barren überwiegend in verplombten Containern. Dem Bericht des Rechnungshofs zufolge, der der F.A.Z. vorliegt, sollen in den kommenden drei Jahren je 50 Tonnen Gold aus New York für eine Prüfung nach Deutschland geholt werden. Auf Druck der Bundesbank sind in dem Bericht viele Stellen geschwärzt worden. „Die Bundesbank hat sich in Widersprüche verwickelt“, meint Mißfelder.
Das Gold ist in den fünfziger und sechziger Jahren als Bezahlung der hohen deutschen Außenhandelsüberschüsse in den Besitz der Bundesbank gekommen. Frankreich hat unter Präsident Charles de Gaulle 1966 sein Gold mit U-Booten aus New York abgeholt. Der damalige Bundesbank-Präsident Karl Blessing dagegen versicherte 1967 in einem Brief, Deutschland werde sein Gold nicht antasten, solange amerikanische Truppen in Deutschland stationiert seien.

Bürgerinitiative: „Holt unser Gold heim!“

Im Mai hat sich eine Bürgerinitiative mit dem Namen „Holt unser Gold heim!“ gebildet. Deren Aufruf haben mittlerweile mehr als 10.000 Menschen unterschrieben. Zu den Erstunterzeichnern zählen der FDP-Abgeordnete Frank Schäffler und der frühere BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel. „Es ist ein Unding, dass keine Transparenz herrscht“, sagte Peter Boehringer, einer der Initiatoren. Hinter der Aktion steht auch der bayerische Steuerzahlerbund.
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Hier einige Lesermeinungen dazu:

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Alexander Berndt (tizian2011) - 22.10.2012 20:43 Uhr

Sofort abholen

Das Ganze hört sich wie in ein schlechter Witz an, Kunden dürfen ihr eingelagertes Gold nicht sehen und begründet wird das dann u.a. damit:
"Thiele verweist in einem Brief an Rechnungshof-Präsident Dieter Engels auf die „allerhöchste Reputation und Bonität“ der Partnernotenbanken."
Lehmann hatte kurz vor der Pleite auch noch ein Triple-A. So eine Aussage würde mich dazu bewegen, sofort alles abzuholen... 

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Torsten Klier (Torsten...) - 22.10.2012 20:32 Uhr

Erinnert sich jemand?

Es ist noch gar nicht so lange her, da hat der Genosse Schäuble Bargeld als "intransparentes Zahlungsmittel" bezeichnet.
Seltsamerweise hat er, wenn´s um ein paar Tausend Tonnen Gold geht, so gar kein Interesse an Transparenz.
Ob´s Gründe gibt? 

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Wulf Hermann (wuhe) - 22.10.2012 20:29 Uhr

@carlos Anton

Nicht die Lagerstellen in New York,Paris und London haben die Kontrolle abgesagt, sondern die Bundesbank als Eigentümer will die körperliche Kontrolle nicht vornehmen. Das ist in der Tat sehr seltsam. In jeder Bank werden die Wertsachen im Tresor(Bargeld usw.) sporadisch geprüft, auf jeden Fall aber zum Abschluß eines Rechnungsjahres.

Der Abgeordnete Mißfelder hat zu Recht nichts in den Tresoren zu suchen. Er kann und sollte aber in der Sache am Ball bleiben.

Notfalls sollte er oder der Rechnungshof gegen die BUBA eine Klage auf körperliche Kontrolle der Goldbestände einreichen. 

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Jürgen Koll (Karfunk...) - 22.10.2012 20:19 Uhr

Komischer Zufall, ...

... daß unser Gold ausgerechnet bei den Siegermächten des WW2 liegt. Vielleicht auch kein Zufall, denn laut UN-Statut gilt Deutschland offiziell noch immer als Feind. (Feindstaatenklausel). Da hat man doch gern ein Faustpfand in der Hand.
Übrigens: Es ist nicht das Gold der Bundesbank, sie verwaltet es nur treuhänderisch für uns, das Volk. Es ist UNSER Gold! Ihrs und meins. 

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Hans-Jürgen Bletz (Echolotse) - 22.10.2012 20:17 Uhr

Das Ding stinkt zum Himmel!

Hoffentlich sind die beiden Herren hartnäckig. Es kann nicht sein, daß man sein Eigentum nicht sehen darf und den Franzosen sowie den Amis kann man - aus unterschiedlichen Gründen - einfach nicht trauen.
- Was sagt unsere Regierung eigentlich dazu?
- Warum möchte die Bundesbank das Gold nicht zurückholen?
- Wurden wir schon bestohlen?
- Gehört es uns eventuell gar nicht mehr?
- Oder ist unser Gold eventuell nur "Buchgold"? 

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Peter Drönbregen (DeMark) - 22.10.2012 19:41 Uhr

Ja natürlich dürfen Deutsche (Politiker) ihr Gold nicht sehen

Denn es ist nicht mehr da ! Und wenn alle Menschen, die irgendwelche Optionsscheine auf Gold oder Silber haben, morgen zeitgleich ihr Edelmetall wollten, würden sie eine riesengroße Überraschung erleben. Alleine die Tatsache, dass wir UNSER EIGENES GOLD IM AUSLAND "LAGERN", ist doch schon ein Skandal an sich ! Wir sollten uns endlich aus den Klauen der "alliierten Freunde" befreien. Nein, nicht für einen neuen Krieg. Aber für ein souveränes und selbstbestimmtes Vaterland. Neutral, basisdemokratisch a la Schweiz und mit einer eigenen starken Währung. 

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Hier noch der Originallink zu dem Artikel.





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